Nach der Geburt fühlst du dich selbst fremd? Das nennt sich Muttertät.

Nach der Geburt ist das Baby da, und trotzdem fühlen sich viele Frauen fremd im eigenen Leben. Für diese Zeit gibt es einen Namen: Muttertät. Hier erfährst du, was dabei in deinem Körper und in deinem Kopf passiert, wie du sie von einer Wochenbettdepression unterscheidest und was dir wirklich hilft.

Autorinnen: Jana Sczesny, Gründerin von femmewell, und Anna Pölzl, klinische Psychologin · Lesezeit: ca. 11 Minuten

Was du in diesem Artikel lernst:

  • Muttertät ist der normale Übergang zur Mutter, so ähnlich wie die Pubertät der Übergang zum Erwachsenwerden ist.
  • Dein Gehirn ordnet sich nach der Geburt neu, als Anpassung an die neue Rolle.
  • Baby Blues, Muttertät und Wochenbettdepression sind drei verschiedene Dinge, und du kannst sie unterscheiden.
  • Gemischte Gefühle gehören dazu. Liebe und Sehnsucht nach dem alten Leben passen nebeneinander.
  • Es gibt klare Zeichen, wann du dir Unterstützung holen solltest, und konkrete Anlaufstellen in Wien.

Stell dir Lena vor. Lena ist 32, ihr erstes Baby ist vier Monate alt. Lena ist erfunden. Ihre Geschichte erleben tausende Frauen genau so.

Es ist früher Abend. Lena steht im Bad, das Baby auf dem Arm, und schaut in den Spiegel. Sie sieht eine Frau, die sie kennt und gleichzeitig kaum noch einordnen kann. Sie liebt ihr Kind über alles. Und trotzdem fühlt sie sich fremd im eigenen Leben.

In den Wochen davor haben alle nach dem Baby gefragt. Wie es schläft, wie es trinkt, wie schwer es schon ist. Nach Lena hat kaum jemand gefragt. Also funktioniert sie. Sie stillt, sie wickelt, sie lächelt. Abends denkt sie leise: Eigentlich sollte ich glücklich sein.

Vielleicht kennst du diesen Moment. Du hast dir das Mutterwerden voller und leichter vorgestellt. Stattdessen ist da diese leise Frage: Wo bin eigentlich ich in dem Ganzen geblieben? In Foren schreiben Frauen Sätze wie „Ich funktioniere nur noch" oder „Mich gibt es doch auch noch".

Diese Frage ist häufiger, als die meisten denken. Für die Zeit, in der sie auftaucht, gibt es einen Namen. Sie heißt Muttertät. Genau deshalb gibt es diesen Artikel. Du erfährst hier, was in deinem Körper und in deinem Kopf passiert, wie du normale Gefühle von einer Erkrankung unterscheidest und was dir wirklich hilft.

Muttertät: das hat einen Namen

An diesem Abend googelt Lena zum ersten Mal, was mit ihr los ist. Sie tippt ein, was sie fühlt: „sich selbst verloren als Mutter". Was sie findet, verändert ihren Blick auf das Thema.

Es gibt ein Wort für das, was sie gerade durchmacht. Muttertät, im Fachbegriff Matreszenz. Die amerikanische Anthropologin Dana Raphael hat diesen Begriff schon 1973 geprägt, bewusst nach dem Vorbild der Adoleszenz, also der Pubertät. Der Gedanke dahinter ist einfach und entlastend zugleich. So wie aus einem Kind über Jahre eine erwachsene Person wird, wird aus einer Frau über Monate eine Mutter. Das ist ein Prozess und kein Schalter, der mit der Geburt umgelegt wird.

In dieser Zeit verändert sich fast alles auf einmal: der Körper, die Gefühle, die Beziehungen und der eigene Platz im Leben. Die Psychologin Alexandra Sacks hat das Thema bekannt gemacht und spricht von der Geburt einer Mutter, die parallel zur Geburt des Kindes passiert. Über die körperliche Seite dieser Zeit schreiben wir an anderer Stelle, zum Beispiel im Beitrag über Inkontinenz nach der Geburt.

Lena liest das und spürt zum ersten Mal so etwas wie Erleichterung. Sie ist weder kaputt noch falsch. Ihr Erleben hat einen Namen, eine Erklärung und viele Frauen, denen es genauso geht.

Wie lange die Muttertät dauert, lässt sich nicht auf den Tag genau sagen. In vielen Texten liest du von rund zwei Jahren. Fest steht vor allem, dass sie Zeit braucht, und dass das völlig in Ordnung ist.

Was im Kopf wirklich passiert

Viele Frauen erleben in dieser Zeit, dass sie vergesslicher werden. Sie suchen das Handy, während sie damit telefonieren. Im Volksmund heißt das Schwangerschaftsdemenz oder Stilldemenz. Beide Wörter klingen nach Verlust, und genau da liegt das Missverständnis.

Was in deinem Gehirn passiert, ist eine Anpassung. Ein Forschungsteam um Elseline Hoekzema hat 2017 erstmals gezeigt, dass eine Schwangerschaft die Struktur des Gehirns messbar verändert. Bestimmte Bereiche, die für Einfühlung und das Lesen von Bedürfnissen zuständig sind, werden umgebaut. Eine neuere Studie aus dem Jahr 2025 hat diesen Verlauf genau vermessen. Die graue Substanz nimmt in der Schwangerschaft um rund fünf Prozent ab und erholt sich in den Monaten nach der Geburt zum Teil wieder.

Die Forschenden vergleichen das mit der Pubertät. Das Gehirn räumt auf und spezialisiert sich, damit du feiner wahrnimmst, was dein Baby braucht. Die Vergesslichkeit ist eine Begleiterscheinung dieser Umstellung, und sie bessert sich bei den meisten Frauen nach einigen Monaten wieder.

Verlauf der grauen Substanz über Schwangerschaft und erstes Jahr, eine Anpassung des Gehirns.

Dazu kommt die hormonelle Umstellung nach der Geburt. Östrogen und Progesteron fallen stark ab, während das Stillhormon Prolaktin ansteigt. Dieser Wechsel wirkt auf Schlaf, Stimmung und Konzentration gleichzeitig. So erklärt sich, warum sich gerade so vieles instabil anfühlt.

Zur Muttertät gehört auch ein Gefühl, über das kaum jemand offen spricht. Du liebst dein Baby und vermisst gleichzeitig dein altes Leben. Alexandra Sacks nennt das ein Hin und Her, ein Ziehen in zwei Richtungen. Das Bindungshormon Oxytocin zieht deine Aufmerksamkeit zum Baby. Gleichzeitig meldet sich der Teil von dir, der Freundinnen, Arbeit, Freiheit und Ruhe vermisst. Beides darf nebeneinander sein.

„Ich würde ihr sagen, dass sie mit diesem Gefühl nicht allein ist. Mutter zu werden bedeutet eben nicht nur, sein Kind unendlich zu lieben, sondern auch Abschied von einem vertrauten Leben oder auch Lebensabschnitt zu nehmen. Freude und Trauer können und dürfen daher gleichzeitig bestehen – das schmälert weder die Liebe zum Kind, noch macht es jemanden zu einer schlechten Mutter."

Anna Pölzl, klinische Psychologin

Muttertät, Baby Blues oder Wochenbettdepression?

Muttertät ist ein normaler Übergang. Daneben gibt es zwei Dinge, die oft damit verwechselt werden, und es hilft sehr, sie auseinanderzuhalten.

Der Baby Blues kommt bei vielen Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt, meist zwischen Tag drei und fünf, wenn die Hormone am stärksten umschwingen. Etwa 50 bis 80 Prozent der Mütter kennen diese Heultage. Sie dauern wenige Tage bis zwei Wochen und klingen von allein wieder ab. Am meisten helfen Ruhe, Entlastung und Zeit.

Die Muttertät liegt wie ein roter Faden über all dem. Sie ist der monatelange Umbau der Identität, sie beginnt schon in der Schwangerschaft und reicht oft rund zwei Jahre darüber hinaus. Sie betrifft praktisch alle Mütter. Es hilft, darüber zu sprechen und dich mit anderen auszutauschen. Bewegung und Geduld tun ebenfalls gut.

Die Wochenbettdepression ist etwas anderes. Sie beginnt oft schleichend, Wochen bis Monate nach der Geburt. Sie hält an, bis sie behandelt wird. Rund 15 bis 20 Prozent der Mütter in Wien entwickeln sie, und auch etwa 5 Prozent der Väter. Sie ist gut behandelbar, und dafür braucht es ärztliche und therapeutische Unterstützung.

Vergleich von Baby Blues, Muttertät und Wochenbettdepression.

Wie erkennst du, wann aus einem normalen Auf und Ab etwas wird, das Hilfe braucht? Als Faustregel gilt: Halten eine gedrückte Stimmung, Angst oder ein Gefühl der Leere länger als zwei Wochen an, dann sprich es an. Das Gleiche gilt, wenn du kaum noch Freude spürst oder wenn dir die Sorge um dein Baby über den Kopf wächst. Nachzufragen ist ein Zeichen von Stärke.

„Viele Frauen erleben in dieser Zeit intensive emotionale Schwankungen. Nicht jede Traurigkeit, Erschöpfung oder Unsicherheit ist deshalb ein Grund zur Sorge. Wenn belastende Gefühle über längere Zeit bestehen bleiben, an Intensität zunehmen oder den Alltag, die Selbstfürsorge, die Partnerschaft oder den Aufbau einer unbeschwerten Beziehung zum Baby deutlich beeinträchtigen, sollte frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden."_

Anna Pölzl , klinische Psychologin

Was dir jetzt hilft

Diese Zeit lässt sich gut begleiten. Ein paar Dinge helfen vielen Frauen wirklich.

Sprich es aus. Der erste Schritt ist, das Gefühl beim Namen zu nennen. Sobald du weißt, dass es Muttertät heißt und dass es dazugehört, verliert es einen Teil seiner Schwere. Erzähl deinem Partner oder deiner engsten Bezugsperson, wie es dir wirklich geht, auch an den schweren Tagen.

Macht es zu einer Sache für zwei. In der ersten Zeit richtet sich fast alles auf das Baby. Dabei braucht auch die Mutter jemanden, der sie sieht. Genau darum ging es im Workshop von Anna Pölzl bei femmewell, um die unsichtbare Seite des Elternwerdens.

„Viele PartnerInnen möchten helfen und reagieren verständlicherweise oft sehr lösungsorientiert. Es ist schwer auszuhalten, wenn ein geliebter Mensch leidet. Im Wochenbett brauchen Mütter jedoch häufig zunächst nicht sofort eine Lösung, sondern einen Menschen, der ihre Gefühle mitträgt – der zuhört, Verständnis zeigt und präsent bleibt. Oft entsteht Entlastung nicht dadurch, dass ein Problem sofort gelöst wird, sondern dadurch, dass man es nicht alleine aushalten muss."_

Anna Pölzl , klinische Psychologin

Beweg dich, in deinem Tempo. Bewegung ist eine echte Ressource in dieser Phase. Sanftes, angeleitetes Training wirkt nachweislich gegen ein Stimmungstief und gibt dir ein Stück Körpergefühl zurück. Wichtig ist, dass es dir guttut. Du bestimmst das Tempo, und es geht um Kraft und Wohlbefinden. Wie du in dieser Zeit gut für dich sorgst, liest du auch in unserem Beitrag zur Selbstfürsorge nach der Geburt.

Such dir andere Mütter. Der Austausch mit Frauen, die gerade dasselbe erleben, wirkt oft mehr als jeder Ratgeber. Der Satz „bei mir ist das auch so" nimmt das Gefühl, allein zu sein.

„Bewegung, Körperarbeit und der Austausch mit anderen Müttern können in der Muttertät wertvolle Kraftquellen sein. Halten psychische Belastungen jedoch an oder beeinträchtigen sie den Alltag oder die Beziehung zum Baby, sollten diese Angebote durch professionelle Unterstützung ergänzt werden. Ressourcen und Therapie sind keine Gegensätze – sie ergänzen sich oft auf sinnvolle Weise."

Anna Pölzl, klinische Psychologin

Und hier ist die ehrliche Grenze. Bewegung und Austausch sind wunderbare Begleiter. Wenn die Last aber größer wird, ersetzen sie keine Therapie. femmewell informiert und begleitet dich mit Bewegung und Community. Für die Behandlung sind Ärztinnen und Therapeutinnen da.

Wann du dir Hilfe holen solltest, und wo in Wien

Ein Gespräch mit einer Fachperson lohnt sich immer, wenn du unsicher bist. Es gibt drei Situationen, in denen du es aktiv angehen solltest.

  1. Deine Stimmung bleibt über zwei Wochen unten. Wenn Traurigkeit, Angst oder Leere bleiben und du kaum noch Freude findest, hol dir Unterstützung.
  2. Dein Alltag wird zu schwer. Wenn dir die Versorgung deines Babys oder von dir selbst über den Kopf wächst, ist das der Moment für Hilfe, ganz unabhängig von jeder Zeitregel.
  3. Dich beunruhigen deine eigenen Gedanken. Wenn du dich von deinem Baby entfremdet fühlst oder dunkle Gedanken auftauchen, sprich sofort mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer der Stellen unten.

„Psychische Gesundheit verdient nach der Geburt dieselbe Aufmerksamkeit wie die körperliche Erholung."

Anna Pölzl, klinische Psychologin

Wo du in Wien Unterstützung findest

Deine Hebamme und deine Gynäkologin sind die erste Anlaufstelle. Darüber hinaus:

  • Spezialambulanz für peripartale Psychiatrie, Klinik Ottakring: 01 491 50-8110
  • Frühe Hilfen Wien: 01 389 83
  • ÖGK-Servicestelle für kassenfinanzierte Psychologie: 0800 10 02 03 (seit 2026 zehn Einheiten ohne Bewilligung)
  • Mama-Hotline: 0800 100 234

Und falls du dich fragst, wie du das ansprichst: Du darfst es wörtlich sagen. „Mir geht es seit der Geburt nicht gut, und ich möchte darüber reden." Ein Satz reicht.

Ein paar Monate später

Lenas Geschichte geht weiter, so wie sie bei vielen Frauen weitergeht. Sie hat angefangen, über ihre Gefühle zu reden, erst mit ihrem Partner, dann mit anderen Müttern. Sie hat sich wieder bewegt, einmal pro Woche in einem Kurs und zwischendurch zu Hause. Jeder einzelne Schritt war klein. Zusammen haben sie viel verändert.

Heute schaut Lena wieder in den Spiegel und erkennt sich. Sie ist eine andere als vor der Schwangerschaft, und sie ist gern diese neue, erweiterte Version von sich. Die Muttertät hat ihr am Ende etwas gegeben.

„Die Zeit nach der Geburt verlangt nicht nach Perfektion, sondern nach Flexibilität. Ein guter Plan gibt Orientierung, aber er darf sich gemeinsam mit den Bedürfnissen von Mutter, Kind und Familie verändern oder gar verworfen werden."

Anna Pölzl, klinische Psychologin

Das wünschen wir dir auch. Wenn du gerade in dieser Phase bist, bleib mit uns in Verbindung. In unserem Newsletter teilen wir Wissen zu Frauengesundheit und sagen dir früh Bescheid, wenn neue Workshops starten. Der Workshop „Die unsichtbare Seite des Elternwerdens" mit Anna Pölzl geht im Oktober in die nächste Runde. Über den Newsletter erfährst du als Erste davon.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Muttertät oder Matreszenz?

Muttertät ist der Übergang von der Frau zur Mutter. Der Fachbegriff dafür lautet Matreszenz, gebildet nach dem Vorbild der Adoleszenz. Gemeint ist, dass Mutterwerden eine eigene Entwicklungsphase ist, so wie die Pubertät eine ist. In dieser Zeit verändern sich Körper, Gefühle, Identität und Beziehungen. Die amerikanische Anthropologin Dana Raphael hat den Begriff 1973 geprägt, das deutsche Wort Muttertät kam 2021 dazu. Wichtig zu wissen: Muttertät ist ein normaler Prozess und keine Krankheit. Sie betrifft praktisch alle Mütter und braucht vor allem Zeit und Verständnis.

Wie lange dauert die Muttertät?

Das lässt sich nicht auf den Tag genau sagen, weil die Muttertät ein individueller Prozess ist. In vielen Texten liest du von einem Zeitraum von rund zwei Jahren. Wissenschaftlich exakt festgelegt ist diese Dauer nicht. Manche Frauen fühlen sich schon nach einigen Monaten wieder mehr bei sich, bei anderen begleitet der Übergang die ganze erste Zeit mit dem Kind und darüber hinaus. Auch das Gehirn braucht nach der Geburt etwa zwei Jahre, bis sich die Veränderungen zum Teil zurückbilden. Es hilft, die Muttertät als Weg zu sehen und dir die Zeit zuzugestehen, die du brauchst.

Muttertät oder Wochenbettdepression, wie erkenne ich den Unterschied?

Muttertät ist ein normaler Übergang mit gemischten Gefühlen, die kommen und gehen. Eine Wochenbettdepression ist eine behandelbare Erkrankung. Sie zeigt sich durch eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Angst oder Schuldgefühle, die länger als zwei Wochen anhalten und deinen Alltag deutlich beeinträchtigen. Als Faustregel gilt: Wenn du kaum noch Freude spürst, dich über Wochen leer fühlst oder dir die Versorgung deines Babys über den Kopf wächst, sprich mit deiner Hebamme oder Ärztin. Rund 15 bis 20 Prozent der Mütter in Wien entwickeln eine Wochenbettdepression, und sie ist gut behandelbar. Ein frühes Gespräch ist immer der richtige Weg.

Wie lange dauert der Baby Blues?

Der Baby Blues ist ein kurzes Stimmungstief in den ersten Tagen nach der Geburt. Er beginnt meist zwischen Tag drei und fünf, genau dann, wenn die Hormone am stärksten umschwingen. Etwa 50 bis 80 Prozent der Mütter erleben diese Heultage. Typisch sind Weinen ohne klaren Grund, Stimmungsschwankungen und Erschöpfung. Die gute Nachricht: Der Baby Blues klingt in der Regel innerhalb von zwei Wochen von allein wieder ab. Wenn die Beschwerden nach zwei Wochen noch da sind oder stärker werden, schau genauer hin und sprich mit deiner Hebamme oder Ärztin, denn dann kann eine Wochenbettdepression dahinterstehen.

Was ist Mommy Brain oder Schwangerschaftsdemenz, und geht das wieder weg?

Mommy Brain, Schwangerschaftsdemenz und Stilldemenz sind Alltagswörter für die Vergesslichkeit rund um Schwangerschaft und Stillzeit. Diese Wörter klingen nach Verlust, gemeint ist aber eine Anpassung. Studien zeigen, dass sich das Gehirn in der Schwangerschaft umbaut und dabei rund fünf Prozent graue Substanz abnimmt. Das ist mit der Pubertät vergleichbar, das Gehirn spezialisiert sich auf die neue Aufgabe. Die Vergesslichkeit ist eine Begleiterscheinung und bessert sich bei den meisten Frauen nach einigen Monaten wieder. Es sterben dabei keine Gehirnzellen ab, und mit einer klassischen Demenz hat das nichts zu tun.

Ist es normal, sich nach der Geburt selbst verloren zu fühlen?

Ja, dieses Gefühl ist sehr verbreitet und gehört zur Muttertät dazu. Viele Frauen fühlen sich in der ersten Zeit als Mutter fremd im eigenen Leben und fragen sich, wo sie selbst geblieben sind. Das liegt daran, dass sich Identität, Körper und Alltag gleichzeitig verändern. Liebe zum Baby und Sehnsucht nach dem alten Leben können nebeneinander bestehen. Was hilft, ist darüber zu sprechen, dir kleine Inseln nur für dich zu schaffen und dich mit anderen Müttern auszutauschen. Wenn das Gefühl über Wochen bleibt und schwer wird, hol dir Unterstützung bei deiner Hebamme, deiner Ärztin oder einer der Stellen oben.

Zum Mitnehmen

Muttertät ist der ganz normale Übergang zur Mutter. Dein Körper und dein Gehirn ordnen sich neu, deine Gefühle dürfen gemischt sein, und all das braucht vor allem Zeit. Baby Blues und Wochenbettdepression sind etwas anderes, und du kannst sie unterscheiden und ansprechen.

Der wichtigste Schritt ist, das Thema beim Namen zu nennen, bei dir selbst, bei deinem Partner, bei deiner Hebamme oder bei uns. Du gehst diese Zeit gut begleitet.

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Über die Autorinnen

Jana Sczesny, Gründerin von femmewell

Jana Sczesny ist Gründerin von femmewell und Pilates-Trainerin. Sie begleitet seit Jahren Frauen durch Schwangerschaft, Rückbildung und die erste Zeit als Mutter.

Die Idee zu femmewell entstand aus ihrer eigenen Erfahrung. Als sie 2021 mitten in der Pandemie Mutter wurde, fehlte ihr vieles von dem, was femmewell heute anbietet.

Dazu gehören fachliche Begleitung, ehrliche Information und andere Frauen, die dasselbe gerade erleben. Heute führt sie das Studio in der Johannesgasse in 1010 Wien.

Anna Pölzl, klinische Psychologin

Anna Pölzl ist klinische Psychologin und Yogalehrerin für Frauen in Zeiten der Veränderung. Sie begleitet Frauen rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft. Sie arbeitet wissenschaftlich fundiert, ressourcenorientiert und wertschätzend, mit Methoden aus der klinischen Psychologie und körperorientierten Ansätzen. Sie nimmt Frauen mit ihren Erlebnissen ernst, besonders in einer Phase voller Veränderungen.


Dieser Artikel dient zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er soll dir helfen, informierter in dein nächstes Arztgespräch zu gehen.

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Inkontinenz: Was normal ist, was nicht – und wann du dir Hilfe holen solltest